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SWR1 Lyriks in concert

SWR1 Lyriks in concertUm es vorweg zu nehmen – so einen unterhaltsamen, kurzweiligen Abend habe ich schon lange nicht mehr erlebt und das sichtlich begeisterte Publikum dankte den ausnahmslos professionellen Akteuren mit lautstarken Standing Ovations. So will ich den Abend einmal modern mit dem Wort „entschleunigen“ bezeichnen. Was das Publikum hier live erleben durfte, war die Besinnung auf das Wesentliche, auf das im Alltag oft verlorengegangene Bewusstsein vom Sehen kleiner Perlen, die so nah und doch im verborgenen liegen. Heute lag diese Erkenntnis vordergründig in den übersetzten Worten und Geschichten der gespielten Hits aber auch vielseitig im Klang und Rhythmus der unterschiedlichsten Instrumente, kabarettistische Seitensprünge inklusive.

SWR1 Lyriks in concert, das war am 18. April 2009 auf der Bühne im Emmendinger Autohaus eine Akustikband unter der Leitung von Peter Grabinger, einer künstlerisch gesprochenen weiblichen und männlichen Lyriksstimme sowie deren gesanglichen Gegenpole in Person von Britta Medeiros und Alexander Kraus. Der charmant schmunzelnde rote Faden des SWR1 Konzeptes war Moderator Matthias Holtmann, der mit der nötigen Ruhe und mit ausgefeilten Worten die passenden Register zog und die Songperlen des Abends nach und nach anpolierte.

Wie oft dudelte schon in ihrem Leben unbewusste Radiomusik irgendwo im Hintergrund oder wie oft haben sie sich schon ertappt, dass sie gerade einmal nur drei, vier Worte eines ihrer Lieblingshits übersetzen konnten? Oftmals verbirgt sich hinter den üblichen Höhrgewohnheiten eines Liedes die kleine große Litereratur, welche unerkannt im verborgenen bzw. in Anglizismen schlummert. Im SWR1 Lyriks-Programm wurde ein gutes Dutzend dieser besonders klang- und wertvollen Schmuckstücke aus der Musikgeschichte herausgepickt und auf einzigartige Weise dargeboten. Los ging es mit leisem Piano und Frank Sinatras Song „One for my baby“ über Bob Dylans „Don’t think twice it’s alright“ bis hin zum schauspielerisch in Szene gesetzen Billy Joel Klassiker „My life“. Aber auch Hits von Interpreten der jüngeren Musikgeschichte kamen nicht zu kurz. Bei Pink war sich der Moderator noch im Zweifel, ob der Popstar wohl mit dem aktuellen Präsidenten der USA auch gerne einmal einen Spaziergang machen würde, wo doch der Song „Dear Mr. President“ noch zu Zeiten seines Vorgängers zum Hit wurde. Dagegen war die Erkenntnis klar, dass der rauschende Lebensstil von Amy Winehouse sicherlich nicht gesund sei und weiter. Im Zugabeteil stand es außer Frage, dass Kid Rock mit seinem vergangenen Sommerhit ein Riffdieb ist. Der Abend zog kurzweilig dahin und das Publikum klebte förmlich an den Lippen der beiden emotionsgeladenen Sprecher Simone von Racknitz und Jochen Stöckle. Die beiden verstanden es, den Übersetzungen mit dem nötigen Fingerspitzengefühl und den dezent kleinen Gesten ein Leben einzuhauchen, dass das Publikum förmlich die Bilder der Songkurzgeschichten vor sich sah und mit den Stories mitfiebern konnte. Die dazu dezent gespielte handgemachte Popmusik von „Acoustic Groove“ lies wieder einmal bewusst werden, wie wertvoll ein gutes Konzert sein kann. Musikalische Überraschungen gab es auch genügend. Unter anderem war die Verblüffung groß, als Sänger Alexander Kraus mit seinem Geigensolo in Bryn Adams Superhit „Summer of 69“ virtuos in den Vordergrund trat.

Schauspielerische Einlagen, spannende Arrangements, ein bischen Schalk und Songs mit der Qualität der besonders poetischen Note, das ist vermutlich das Rezept für ein Erlebnis der „entschleunigenden“ Art. Da lässt es sich auch mit Humor ertragen, dass Joe Cockers Duet Hit mit Jenniffer Warnes „Up where we belong“ rein textlich im Kern purer Kitsch und Wattebausch ist! Das Emmendinger Publikum hätte sicherlich nichts gegen ein weiteres Dutzend Pop Lyriks in einer Fortsetzung. Bravo!

Jürgen Schindler für www.hitmagazin.de am 19.04.2009






 
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